Goran Novaković – Jezik

 

Goran Novaković – JEZIK

Goran Novaković – Die Sprache

Juče sam sreo bubu.

Nije govorila nemački

i žalila se na bolove u krstima

na jednom jeziku, koji sam uspeo da razumem samo zato

jer se radilo o bolovima.

Otpevali smo zajedno dve pesme

izvezli dva goblena

pojeli pola ćurke

i započeli nadugačko i naširoko

da diskutujemo o Kafki.

Ne pitajte me, milim vas, na kom jeziku.

Razumeo sam ga samo zato

jer se radilo o strahovima.

Ich traf gestern einen Käfer.

Er sprach kein Deutsch

und beschwerte sich über Kreuzschmerzen

in einer Sprache, die ich nur deshalb zu verstehen vermochte

weil es um Schmerzen ging.

 

Wir sangen zwei Lieder zusammen

stickten zwei Gobelins

aßen einen halben Truthahn auf

und beginnen des Langen und Breiten

über Kafka zu plaudern.

 

Fragen Sie mich bitte nicht, in welcher Sprache.

Ich verstand sie nur deshalb

weil es um Ängste ging.

 

Gerald Kurdoğlu Nitsche (mit Bruno Gitterle) (Hrsg.), Neue österreichische Lyrik – und kein Wort Deutsch, Innsbruck-Wien, Haymon Verlag, 2008, 80.

Goran Novaković – Stanovnici zida

 

Goran Novaković – Stanovnici zida

Goran Novaković – Die Wandbewohner

Mogu da gledam u beli zid

koliko god hoću.

On nije beo.

Između farbe i zida

žive tri velike aždaje.

Aždaja suza pravi vlagu,

aždaja gneva prouzrokuje pukotine,

aždaja truljenja proizvodi žute prelive.

Uđem ponekad u zid

sa svojim brižljivo ispletenim ukrotiteljskim bičem.

Rasteram odlično aždaje

i naredim zidu da se ponosi svojom belinom.

Zadovoljan uspehom

vraćam se ispred njega

osećajući vreli dah oslobođenih aždaja

na koži tik iza ušiju.

Ich kann die weiße Wand anstarren

solange ich es will.

Sie ist nicht weiß.

 

Zwischen der Farbe und der Wand

leben drei riesige Drachen.

Der Drache der Tränen bewirkt die Feuchtigkeit

der Drache des Zornes verursacht Risse

der Drache der Fäule erzeugt gelbe Nuancen.

 

Ich gehe manchmal in die Wand hinein

mit meiner lang geflochtenen Tierbändigerpeitsche.

 

Ich treibe die Drachen entschlossen auseinander

und befehle der Wand

auf das eigene Weiß stolz zu sein.

 

Von dem Erfolg befriedigt

kehre ich zurück

den heißen Atem

der von der Angst befreiten Drachen

hinter meinen Ohren spürend.

 

Gerald Kurdoğlu Nitsche (mit Bruno Gitterle) (Hrsg.), Neue österreichische Lyrik – und kein Wort Deutsch, Innsbruck-Wien, Haymon Verlag, 2008, 161-162.

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